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Amateurteather aus Düsseldorf geht wieder auf die Bühne.

Die Theatergruppe aus Düsseldorf hat wieder ein neues Programm.

Ernst Jandl - DIE KARAWANE ind Düsseldorf spielt ERNST JANDL

PRESSEBERICHT über DIE KARAWANE e. V.

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www.suedkurier.de - 27.4.2004

Gedichte aus dem Schützengraben

Theatertage am See: Die Düsseldorfer Bühne "Die Karawane" mit Texten von Ernst Jandl

Von HARALD RUPPERT

Wer die Gedichte von Ernst Jandl nicht hört, sondern liest, hat von ihnen soviel wie der Blinde von der Farbe. Der österreichische Lyriker war ein Dichter der Performance, der die Achse des Dadaismus in die Gegenwart hinein verlängerte. Zumindest klang es so, wenn Jandl bei Lesungen die Worte hervorstöhnte, wenn er mit ihnen gurgelte und sie ausspie. Jandl hat der Sprache einen Körper gegeben - seinen Körper - und er hat ein abstraktes Alphabet damit konkret gemacht. Noch konkreter als selbst bei Jandl wird die Sprache durch die freie Theatergruppe "Die Karawane" aus Düsseldorf. Menschen in reiferen Jahren stehen hier auf der Bühne, und das ist nur angemessen - schließlich steht auch Jandl als älterer Herr vorm geistigen Auge.

"Die Karawane" überführt Jandls Texte in Gesamtkunstwerke, bei denen sich Sprache, Gebärde, Gesang und Musik zu einer überraschenden Performance verbinden.

Ist Sprache absurd, wo sie so konkret wird wie die Welt, die sie bezeichnet? Ganz bestimmt wird sie ebenso gefährlich. Die Silben donnern den Hörern in die Ohren als wären es Granaten: "schtzngrmm/ t-t-t-t/ grrrrmmmmm". Äußerlich unbewegt, starr, doch mit knatternden Mündern bringen die Akteure die Laute des Krieges hervor.

Nach konventionellem Verständnis dient die Sprache der Bezeichnung der Welt. Jandl hebt diese Abkopplung auf und nimmt das Bezeichnete wieder in die Sprache auf: So stellen die Schauspieler im Gedicht "Auf dem Land" sprachlich alles dar, was in freier Natur kreucht und fleucht: "Katatatatater schnurrurrurren", Rinininininder brüllüllüllen, Schweine grunzen. Das Schwein tritt hierbei sogar selbst auf: Es ist ein wild gewordener Saxophonist (Frank Michaelis), der mit seinem Instrument wie eine suhlende Sau über die Bühne irrt. Leichterhand überträgt "Die Karawane" das Prinzip der konkreten Poesie auch auf die Bühne, wo die Schauspieler eine Schlange bilden und mit zischelnden Lauten über die Bühne schwänzeln.

Jandl wollte die Lyrik aus ihrem noblen Ghetto holen und sie für neue Sprachformen öffnen. Neu, das heißt weniger angesehen - also defekt, unterentwickelt, alltäglich. Mit einem durchaus brutalen Humor lässt Jandl das gebrochene Deutsch der Gastarbeiter in seine Gedichte ein: "Sein das heuten Tag sein es ein scheißen Tag / sein das gestern Tag sein es gewesen ein scheißen Tag ebenfalz /kommen das morgen Tag sein es werden ein Scheißentag ebenfalz /und so es sein aufbauen sich der scheißen Woch". Als Matthias Koeppel das wuchtige "Starkdeutsch" erfunden hat, war es bei Jandl wohl schon angelegt.

"Die Karawane" versteht es hervorragend, durch chorisches Sprechen und unterhaltsamen Tumult das Publikum für die 36 ausgewählten, recht anstrengenden Sprechgedichte zu begeistern.

Jandls Lyrik bleibt immer ganz nah bei der lebendigen Kreatur. In allen Schattierungen konjugiert er ihre ständige Bedrohung durch den Tod. Unbarmherzig, kalt, mit fesselnder Bedrohlichkeit rezitiert Ursula Burg das Gedicht "Der Schnitter": "Es ist ein Schnitter, der / schneidet Brot und gibt / der Frau ein Stück / und jedem Kind ein Stück / und ein Stück isst er selber / und dann fragt er: / Wer hat noch Hunger? / Und schneidet dann weiter. / Einem solchen Schnitter / Möchtest du wohl gern / einmal begegnen. / Außer er sagt zu dir: / Komm her du Brot."

Wie um geschnittenes Brot riss sich das Publikum am Sonntag leider nicht um das Jandl-Programm. Als die Vorstellung um 9:30 Uhr begann, tunkten die meisten Theaterinteressierten wohl gerade ihre aufgeschnittenen Schrippen in den Frühstücksmilchkaffee.

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